Quelle: Nico and the Navigators / Oper Stuttgart
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REIGEN | von Philippe Boesmans
Eine Produktion der Oper Stuttgart in Kooperation mit Nico and the Navigators
Zehnmal erschreckend banales Gerede vor und nach dem Sex. Und immer die Angst, dass dieses Erlebnis nicht einzigartig sein könnte... Der Reigen, das sind zehn mehr oder weniger erotische Treffen zwischen je einem Mann und einer Frau. Allen sozialen Unterschieden zum Trotz wiederholen sich Motive und Verhaltensweisen in erschreckender Weise: Man ziert sich, man hat es eilig, man macht so etwas eigentlich nicht. Und »danach« hat es plötzlich der andere eilig, wird grob oder entzieht sich mit belanglosen Sätzen. Zum Sex kommt es immer, zur Begegnung nur in Ausnahmefällen.
Schnitzler selbst verhängte ein Aufführungsverbot über seine 1920 geschriebenen Zehn Dialoge, das bis 1982 gültig war. 1993 wurde das Schauspiel von dem belgischen Komponisten Philippe Boesmans und dem Regisseur Luc Bondy zu einer Oper verarbeitet. Die raffiniert instrumentierte Musik fügt der Vorlage noch einigen Witz hinzu – oder wussten Sie, dass auch Mücken einen erotischen "Reigen" veranstalten?
Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling
Regie: Nicola Hümpel
Bühne: Oliver Proske
Kostüme: Teresa Vergho
Licht: Jörg Bittner
Live-Video: Judith Konnerth
Videofilm Regie & Schnitt: Nicola Hümpel
Videofilm Kamera: Judith Konnerth
Dramaturgie: Ann-Christine Mecke
Mit: Die Dirne: Lauryna Bendziunaite, Der Soldat: Daniel Kluge, Das Stubenmädchen: Stine Marie Fischer, Der junge Herr: Sebastian Kohlhepp, Die junge Frau: Rebecca von Lipinski, Der Gatte: Shigeo Ishino, Das süße Mädel: Kora Pavelic, Der Dichter: Matthias Klink, Die Sängerin: Melanie Diener, Cornelia Ptassek, Der Graf: André Morsch, Paar im Video: Julla von Landsberg (Nico and the Navigators), Michael Shapira (Nico and the Navigators)
Die Aufführung ist in deutscher Sprache mit Übertiteln
Anlässlich des 80. Geburtstages von Philippe Boesmans wurde die Vorstellung von "Reigen" am 6. Mai 2016 live über das Internetportal The Opera Platform www.theoperaplatform.eu übertragen
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Pressestimmen:
"Boesmans schrieb Musik auch für die Zeit zwischen dem Davor und dem Danach… Ungemein liebevoll löst das Nicola Hümpel. Menschen versinken in Matratzen, flutschen vom selbsttätigen Bett, verschlingen sich extraordinär… Auf einer Videoleinwand, einer endlich einmal sinnig und unverschämt eingesetzten Videoleinwand, sieht man die Gesichter in Nahaufnahme. Nacktes Entsetzen kann sich auf ihnen spiegeln, die temporäre Verblödung, die der Liebesakt mit sich bringt, die Hässlichkeit der Gier…“ (Frankfurter Rundschau)
"Eine starke Assoziation stellt Nicola Hümpel in den Raum bei ihrer Neuinszenierung… Die Vision Schnitzlers von einer totalen Entfremdung des nunmehr digitalen Ichs und der kollektiven Vereinsamung scheint sich erfüllt zu haben. Hümpel entwickelt ihre Diagnose in einem Kammerspiel - umso bezwingender, als sie sich zuvörderst für das Innere und Intime der Figuren interessiert… Passend hierzu stellt die Bühne von Oliver Proske in erster Linie die Personen selber aus - wie in einem Panoptikum…" (Neue Zürcher Zeitung)
24. Apr. 2016
OPER STUTTGART