Natalia Maria Michailidou
Tanz

Natalia Maria Michailidou NO FIXED ADDRESS

Angesiedelt in einer nahen Zukunftsdystopie, geprägt von Hyperkapitalismus, Automatisierung und der Konzentration von Macht, entwirft NO FIXED ADDRESS (NFA) eine Welt, in der menschliches Leben darauf ausgerichtet ist, Systeme aufrechtzuerhalten, die ihm längst nicht mehr dienen. Gemeinschaft ist nur noch Infrastruktur. Arbeit ist Zwang. Präsenz wird nur geduldet, solange sie performt.

Fünf Performer*innen bewohnen eine rigide, überwachte Ordnung, hyper-sichtbar und doch ungesehen. Die Arbeit reproduziert keine Bilder von Obdachlosigkeit oder Krieg; sondern abstrahiert deren psychologische Nachwirkungen.

Im Kern untersucht NFA, was geschieht, wenn Anerkennung systematisch entzogen wird. Wenn Gleichgültigkeit strukturell wird. Das Stück erforscht die Erosion von Beziehungen und die Auflösung der onkologischen Verankerung, die langsame Destabilisierung des Selbst, die aus anhaltender sozialer Ausgrenzung entstehen kann. Wiederholt unsichtbar gemacht zu werden ist nicht neutral. Es zerrüttet die Wahrnehmung. Es verändert die Grundbedingungen der Existenz.

Verwurzelt in persönlichen Erfahrungen von Wohnungsunsicherheit und entwickelt durch eine forschungsbasierte Zusammenarbeit mit marginalisierten Communities in Berlin, versteht das Projekt Ausgrenzung als verkörpertes Wissen. NFA fungiert als Warnung: Wenn wir weiterhin Isolation über Solidarität, Effizienz über Fürsorge und technologische Entwicklung über kollektive Verantwortung stellen, welche Arten zu Leben sind dann noch möglich?

Der Theaterraum wird zu einem immersiven sensorischen Feld. Temperaturveränderungen, räumlicher Klang, dichte Bassfrequenzen und skulpturale Interventionen verschieben die Wahrnehmung. In enger Zusammenarbeit mit der Sound- und Multimedia-Künstlerin Daria Redkina entsteht eine elektronische Klangarchitektur, die das Publikum umgibt, physisch präsent, destabilisierend und unausweichlich. Skulpturale Installationen von Natalia Michailidou – rekonstruierte, zerschnittene, neu verschweißte und umgeformte Einkaufswagen – fungieren als Überlebensstrukturen und fragile häusliche Illusionen innerhalb einer kontrollierten Umgebung.

NFA hebt die Distanz zwischen Beobachter*in und System auf. Gleichgültigkeit kann einen Menschen genauso auflösen, wie Aufmerksamkeit den Raum zwischen uns neu formen kann. Diese Zukunft ist möglich. Erproben wir sie schon?

Regie | Konzept | Dramaturgie | Choreografie Natalia Maria Michailidou
Musik Daria Redkina
Bühnenbild Natalia Maria Michailidou
Tanz | Performance Luna Di Gregorio, Datamis Esfahani, Katerina Markoulidaki, Georgina Merkou, Adiopi Stamopoulou

Termine

  • Samstag, 11. April 2026 – 20:30 Uhr

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Location

Uferstudios

Uferstraße 23 | 13357 Berlin

Uferstudios