VATERLAND
2 . Teil
Der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus hat seinen autobiographischen Roman „Der Erste Mensch“ in zwei Kapiteln angelegt. Im 1.Teil erzählt der Protagonist auf faszinierende Weise von seiner Kindheit in den Armenvierteln Algiers und davon, wie er neben der archaischen Schönheit der Einfachheit die Bildung entdeckt und wie er, der als Kind in einer Familie von Analphabeten aufgewachsen ist, am Ende der Geschichte mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wird.
Im zweiten Kapitel kehrt der Ich-Erzähler zurück in seine Heimatstadt, nach Algier, zu seiner mittlerweile alt gewordenen, fast taubstummen Mutter, die mit ihrem Bruder, seinem Onkel Etienne, noch immer in der armen Wohnung der inzwischen verstorbenen Großmutter lebt. Und er trifft auf eine Welt, die sich in rasendem Tempo verändert. Die französische Kolonie Algerien strebt nach Unabhängigkeit. Camus setzt sich ein für die Rechte der Berber und Araber und sorgt sich gleichzeitig um das Leben der Seinen. Er wird gewahr, wie ihm seine Heimat im Kampf der Aufständischen entgleitet, und er begibt sich auf die Suche nach seinem Vater, der im 1. Weltkrieg gefallen ist und den er nie kennengelernt hat. Er beginnt sich zu fragen, wie es dazu kommen konnte, dass Menschen wie seine Vorfahren in diesem, ihnen damals fremden Landstrich gelandet sind. Und wie „Heimat“ in einem modernen Sinn zu begreifen ist – wenn sie nicht nur Heimat der Indigenen ist, sondern auch die der im Laufe zahlreicher Migrationswellen und Kolonialisierungsphasen ins Land Gekommenen.
Ein berührendes Theaterstück von fesselnder Aktualität.
Besetzung
Rezitation: Ulrich Noethen
Akkordeon: Valentin Butt
Oud: Samir Mansour
Percussion: Claudio Spieler / Max Gerwien
Geige: Lucia Priester
Bass: Christoph Dangelmaier
Lichtdesign: Birte Horst
Komposition: Christoph Dangelmaier
Textbearbeitung, Produktion, Inszenierung: Martin Mühleis
Produktionsleitung: Vera Löffler